Sanierungsfahrplan: Ablauf, Kosten und Förderbonus 2026
Ein individueller Sanierungsfahrplan ist 2026 das wichtigste Planungsdokument für die energetische Modernisierung. Dieser Ratgeber erklärt, was dahintersteckt, wie der Ablauf mit dem Energieberater aussieht und was er kostet – plus Sanierungsbonus, sinnvolle Reihenfolge der Maßnahmen und ein Fallbeispiel für ein Fertighaus Baujahr 1982.
Wer ein älteres Haus in Österreich energetisch fit machen will, braucht zuerst einen Plan – kein Bündel einzelner Angebote. Ein Sanierungskonzept aus einer qualifizierten Energieberatung ordnet die Maßnahmen nach Wirkung und Reihenfolge, beziffert Kosten und Einsparung und macht die Förderung planbar. In vielen Bundesländern ist genau diese Beratung sogar Voraussetzung für Zuschüsse aus der Wohnbau- bzw. Sanierungsförderung. Dieser Ratgeber erklärt, was ein Sanierungskonzept leistet, wie der Ablauf mit der Energieberatung aussieht, was er kostet, welche Förderungen mitlaufen und in welcher Reihenfolge die Maßnahmen sinnvoll sind – durchgerechnet an einem Fertighaus aus dem Jahr 1982. Alle Zahlen sind Richtwerte für 2026.
Was ist ein Sanierungskonzept?
Kurzantwort: Ein Sanierungskonzept ist ein strukturiertes Beratungsdokument, das eine qualifizierte Energieberatung für Ihr konkretes Gebäude erstellt. Es hält den Ist-Zustand fest, beschreibt alle sinnvollen Maßnahmen mit Kosten, Einsparung und Reihenfolge und stellt sie als nachvollziehbaren Zeitplan dar. Anders als ein loser Kostenvoranschlag betrachtet es das Haus als Gesamtsystem – und verhindert so teure Fehler, etwa den Heizungstausch vor der Dämmung. In mehreren Bundesländern ist eine solche Beratung die Grundlage, um Sanierungsförderung überhaupt zu erhalten.
Der Vorteil zeigt sich in der Praxis: Statt zuerst die Heizung zu tauschen und danach zu dämmen – eine Reihenfolge, die eine überdimensionierte und teurere Anlage nach sich zieht – entsteht ein abgestimmter Fahrplan, den Sie in Etappen über mehrere Jahre abarbeiten. Gute Konzepte zeigen zwei Wege: die Sanierung „in einem Zug“ und die Sanierung „in Schritten“ – so erkennen Sie sofort, welcher Weg zu Ihrem Budget passt.
Beratung und Antrag gehören zusammen
Das Sanierungskonzept liefert die Strategie; für die einzelnen Zuschüsse stellen Sie danach separate Förderanträge – bundesweit für den Sanierungsbonus über die zuständige Abwicklungsstelle, ergänzend über die Landesförderung. Beide Ebenen greifen ineinander: Die Beratung begründet die Maßnahmen fachlich, der Antrag schaltet das Geld frei. Wichtig bleibt, dass Sie den Antrag stellen, bevor Sie die Arbeiten beauftragen.
Ablauf mit der Energieberatung: In fünf Schritten zum Konzept
Kurzantwort: Der Weg läuft 2026 in fünf Schritten: Zuerst wählen Sie eine qualifizierte Energieberatung – etwa über die Beratungsstellen der Länder oder klimaaktiv-Partner. Es folgt der Vor-Ort-Termin mit Aufnahme von Hülle, Heizung und Verbrauch. Die Beratung wertet die Daten aus und entwickelt die Maßnahmenpakete. Anschließend erhalten Sie das fertige Konzept samt Erläuterungsgespräch. Zuletzt setzen Sie die Maßnahmen in der empfohlenen Reihenfolge um. Der gesamte Prozess dauert meist vier bis acht Wochen.
- 1. Energieberatung finden: qualifizierte Beraterinnen und Berater über die Landes-Energieberatungsstellen oder das klimaaktiv-Netzwerk.
- 2. Vor-Ort-Termin: Aufnahme von Gebäudehülle, Fenstern, Dach, Heizung und Warmwasser samt Sichtung Ihrer Verbrauchsdaten.
- 3. Analyse und Berechnung: Aus den Daten entstehen konkrete Maßnahmenpakete mit Kosten, Einsparpotenzial und CO2-Wirkung.
- 4. Übergabe des Konzepts: Sie erhalten ein verständlich aufbereitetes Dokument mit klaren Prioritäten und Zeitachse.
- 5. Umsetzung in Etappen: Sie arbeiten die Maßnahmen nach Budget und Priorität ab und stimmen jede mit dem passenden Förderantrag ab.
Wichtig: Holen Sie die Beratung ein, bevor Sie irgendeine Maßnahme vergeben. Idealerweise begleitet die Energieberatung Sie über die gesamte Sanierung, liefert die nötigen Nachweise und stimmt die Ausführung ab. Wie sich einzelne Sanierungsbudgets im Fertighaus aufteilen, zeigt der Ratgeber Modernisieren-Ratgeber.
Kosten und Förderung: Was das Sanierungskonzept wirklich kostet
Kurzantwort: Ein Sanierungskonzept für ein Ein- oder Zweifamilienhaus liegt 2026 als Richtwert bei 800 bis 1.800 Euro. In vielen Bundesländern ist die Energieberatung stark vergünstigt oder – bei geförderter Sanierung – im Programm enthalten; manche Länder bieten einen ersten Beratungstermin sogar kostenlos an. Rechnen Sie die Beratung nicht als Ausgabe, sondern als Investition: Sie verhindert teure Fehlreihenfolgen und ist häufig die Zugangsvoraussetzung für höhere Fördersätze.
Kosten und Förderung des Sanierungskonzepts 2026 (Richtwerte)
| Position | Ein-/Zweifamilienhaus | Größeres Wohngebäude |
|---|---|---|
| Beratungskosten | 800–1.800 € | 1.500–3.000 € |
| Landesförderung Beratung | je nach Bundesland | je nach Bundesland |
| Eigenanteil (Richtwert) | 0–800 € | 300–1.200 € |
| Voraussetzung für Zuschüsse | häufig ja | häufig ja |
| Umsetzung | in Etappen möglich | in Etappen möglich |
Die konkreten Sätze und Bedingungen unterscheiden sich je nach Bundesland. Eine vollständige Übersicht aller Förderwege bietet der Beitrag zu den Förderungen.
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Sanierungsbonus und Ökobonus: So läuft die Zusatzförderung
Kurzantwort: Wer eine Einzelmaßnahme an Hülle oder Anlagentechnik umsetzt, kann 2026 den bundesweiten Sanierungsbonus mit einem Zuschuss beantragen – ergänzt durch die Landesförderung des jeweiligen Bundeslandes. Für den Heizungstausch weg von Öl und Gas gibt es zusätzlich die Aktion „Raus aus Öl und Gas“. Höhere Sätze winken, wenn die Maßnahmen einen guten Energiestandard erreichen oder klimaaktiv-Kriterien erfüllen. Die genauen Beträge hängen vom Bundesland und vom aktuellen Programm ab – ein Grund mehr, das Konzept vorab erstellen zu lassen.
Fördersäulen für Sanierer in Österreich 2026 (Richtwerte)
| Maßnahme | Bundesförderung | Landesebene |
|---|---|---|
| Außenwand-Dämmung | Sanierungsbonus | + Landesförderung |
| Dachdämmung | Sanierungsbonus | + Landesförderung |
| Kellerdecken-Dämmung | Sanierungsbonus | + Landesförderung |
| Fenstertausch | Sanierungsbonus | + Landesförderung |
| Komfortlüftung mit WRG | je nach Programm | + Landesförderung |
| Heizungstausch (Wärmepumpe) | Raus aus Öl und Gas | + Landesförderung |
Ein Rechenbeispiel zeigt den Hebel: Wer Fassade und Fenster gemeinsam saniert und einen guten Energiestandard erreicht, kombiniert oft Bundeszuschuss und Landesförderung – der Eigenanteil sinkt dann deutlich stärker als bei einer isolierten Einzelmaßnahme. Wichtig bleibt: Der Antrag muss vor der Auftragsvergabe gestellt sein.
Sinnvolle Reihenfolge der Maßnahmen: Hülle vor Heizung
Kurzantwort: Energetisch und wirtschaftlich sinnvoll ist 2026: erst die Gebäudehülle, dann die Anlagentechnik. Wer zuerst Dach, Fassade und Fenster dämmt und erst danach die Wärmepumpe einbaut, kommt mit einer kleineren, günstigeren Anlage aus – im Kauf und im Betrieb. Auf die Hülle folgt eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung, um Schimmel zu vermeiden, danach die Heizung und zuletzt Photovoltaik mit Speicher. Genau diese Logik bildet das Sanierungskonzept ab und begründet sie für Ihr konkretes Gebäude.
- 1. Dämmung von Dach oder oberster Geschossdecke — hier ist die Einsparung pro Euro am größten.
- 2. Dämmung der Außenwand — reduziert Wärmeverluste und Wärmebrücken deutlich.
- 3. Fenster tauschen — idealerweise parallel zur Fassadendämmung, um Gerüst- und Anschlusskosten zu teilen.
- 4. Kellerdecke oder Bodenplatte dämmen — spürbar mehr Fußwärme im Erdgeschoss.
- 5. Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung — nach der Hüllendämmung nötig, um Schimmelschäden vorzubeugen.
- 6. Heizungstausch auf Wärmepumpe — jetzt korrekt auf den gedämmten Bestand dimensioniert und damit günstiger.
- 7. Photovoltaik mit Speicher — als Ergänzung zur Wärmepumpe für niedrige Betriebskosten.
Ist der Heizungstausch wegen eines Defekts nicht aufschiebbar, planen Sie die spätere Dämmung wenigstens rechnerisch mit und legen die Wärmepumpe auf den künftigen, gedämmten Wärmebedarf aus. Welche energetischen Mindestanforderungen dabei aus den OIB-Richtlinien folgen, erklärt der OIB-Ratgeber.
Fallbeispiel: Fertighaus Baujahr 1982, 130 m²
Kurzantwort: Ein typisches Holzriegel-Fertighaus von 1982 mit 130 Quadratmetern verbraucht 2026 rund 230 kWh/m² im Jahr – Heizkosten von etwa 3.600 Euro. Das Sanierungskonzept empfiehlt hier vier Etappen über acht Jahre: Dach- und Fassadendämmung, Fenstertausch, Komfortlüftung und zuletzt eine Wärmepumpe mit Photovoltaik. Gesamtkosten rund 118.000 Euro; nach Sanierungsbonus und Landesförderung sinkt der Eigenanteil je nach Bundesland deutlich. Der Heizwärmebedarf fällt auf rund 70 kWh/m², die Heizkosten auf gut 1.200 Euro im Jahr.
Etappenplan Fertighaus Bj. 1982, 130 m² (Richtwerte 2026)
| Etappe | Maßnahme | Kosten (Richtwert) | Förderung |
|---|---|---|---|
| Jahr 1 | Dach- und Fassadendämmung | 48.000 € | Sanierungsbonus + Land |
| Jahr 2 | Fenster 3-fach-Verglasung | 16.000 € | Sanierungsbonus + Land |
| Jahr 4 | Komfortlüftung mit WRG | 12.000 € | je nach Programm |
| Jahr 6 | Wärmepumpe Luft-Wasser | 26.000 € | Raus aus Öl und Gas + Land |
| Jahr 8 | Photovoltaik 8 kWp + Speicher | 16.000 € | EAG / OeMAG |
| Summe | Vollsanierung in Etappen | ≈ 118.000 € | je nach Bundesland |
Warum die Etappen so und nicht anders liegen
Die Dämmung steht bewusst am Anfang: Sie senkt den Wärmebedarf so stark, dass die Wärmepumpe in Etappe vier merklich kleiner und günstiger ausfallen kann. Käme die Wärmepumpe zuerst, müsste sie auf den hohen Bedarf des unsanierten Hauses ausgelegt werden – teurer im Kauf und im Stromverbrauch. Genau diese Kette aus Ursache und Wirkung macht das Sanierungskonzept so wertvoll: Es begründet die Reihenfolge nicht mit dem Bauchgefühl, sondern mit den Zahlen Ihres konkreten Hauses.
Nach Abschluss aller Etappen erreicht das Haus aus dem Beispiel einen Standard nahe am Niedrigstenergiehaus – zu einem Bruchteil der Kosten eines Neubaus. Ob sich dieser Weg für Ihr Gebäude wirklich rechnet oder ob ein Neubau günstiger wäre, beleuchtet der Vergleich Altbau kaufen oder neu bauen. Wer stattdessen neu bauen möchte, findet erste Anhaltspunkte im Musterhaus und beim Hausbau-Ablauf.
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